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Naturbrut vom Buschhuhn

Naturbrut vom Talegallahuhn

Alectura lathami (Gray, 1831) - engl.: Brush-Turkey

 

Beschreibung: Das Buschhuhn oder Talegallahuhn (Alectura lathami) gehört zur Gruppe der Großfußhühner

(Megapodirdae), die in sieben Gattungen mit zwölf Unterarten vertreten ist. Die Heimat der Talegallahühner

oder Buschhühner ist Ostaustralien, ihre Größe beträgt ca. 70 - 80 cm. Ihr Aussehen ist an der Oberseite

schwarz-braun, an der Unterseite hellbraun mit silbergrauen Federsäumen. An Kopf und Hals, die ganz nackt

aussehen und von dunkelroter Färbung sind. befinden sich nur einige haarartige Federn. An der Vorderseite

des Halses hängt beim Hahn ein gelber Hautlappen herab.

 

Die Brutbiologie der Talegallahühner weicht von der gewöhnlichen insoweit ab. als sie einen Laubhügel

errichten und durch Gärungswärme des Laubes ihre Eier ausbrüten lassen. Brutvorbereitung und Ablauf: Seit

15 Jahren (1970) hielt ich einen einzelnen Talegallahahn. Meine Bemühungen waren sehr groß, ein

weibliches Tier zu bekommen. da die Brutbiologie so interessant ist, dass es eine Herausforderung war, diese

Tiere erfolgreich zu züchten. Erst 1985 gelang es mir, ein weibliches Tier aus dem Ausland zu bekommen.

Das Paar harmonierte sofort, und ich begann mit der Einrichtung eines Bruthügels. für den ich mit drei Helfern

zwei Tage benötigte. Wir nahmen Laub und Walderde, bis der Bruthügel einen Durchmesser von 2 x 3 x 1.2 m

betrug. Leider musste ich 1986 feststellen, dass keine ausreichende Temperatur zustande kam. obwohl sich

der Hahn redlich bemühte. Dieses lag wahrscheinlich an unserem Klima, das nicht ausreichte, eine

erfolgreiche Brut zu beginnen. Bei späterer Durchsicht des Bruthügels stellte ich fest, dass es auch nicht zur

Eiablage gekommen war. Im März 1987 ließ ich dann durch die gesamte Voliere (2,50 x 4,0 m Grundfläche)

eine Fußbodenheizung in Schlangenform bauen, die über Thermostat und Temperaturfühler gesteuert wurde.

Die Temperatur lag im Zentrum des Bruthügels bei 34 Grad Celsius, die nach einem Monat erreicht wurde. Alle

zwei Tage wurde der Hügel mit Wasser bespritzt, um die nötige Luftfeuchtigkeit zu erreichen. Die Voliere war

von oben geschlossen, so dass kein Regen den Bruthügel erreichte. Die Nachbarvoliere stellte ich noch zur

Verfügung, damit die Henne eine Möglichkeit hatte, auszuweichen. Der Hahn begann Mitte April, wesentlich

intensiver am Bruthügel zu scharren als im Vorjahr und war teilweise sehr aggressiv gegenüber der Henne,

sobald sie in die Nähe des Bruthügels kam. Der Hahn veränderte den Bruthügel in Form eines Halbmondes, in

dem sich morgens mehrere Löcher befanden, die zur Lüftung des Hügels benutzt wurden. Die Temperatur fiel

dann bis auf teilweise 10 Grad Celsius ab. Dieses konnte ich über ein Digitalthermometer beobachten, das ich

noch zusätzlich in den Bruthügel installiert hatte. Am 20. -Mai fand ich das erste Ei bei der Kontrolle eines

Luftloches, welches ca. 50 cm tief und senkrecht im Bruthügel stand. In den darauf folgenden Tagen entstanden

immer mehr Lüftungslöcher, die darauf schließen ließen, dass noch mehr Eier gelegt worden waren. Eine

ständige Kontrolle wurde nicht vorgenommen, um das Brutgeschehen nicht zu oft zu stören. Eine Eiablage

konnte ich nie beobachten. Die Lüftung der Eier fand nur morgens statt und dauerte bis zu einer Stunde. Der

Hahn nahm dabei ständig mit seinem Schnabel etwas Waldmaterial, um somit wahrscheinlich die Temperatur

zu kontrollieren. Nachdem die Löcher wieder geschlossen waren, stieg die Temperatur wieder auf ca. 33,9 bis

34,9 Grad Celsius an. Bei höherer Temperatur wurde der Bruthügel immer wieder verändert, indem Material

abgetragen wurde. Mittags legte der Hahn auch schon mal Ruhepausen ein, jedoch meistens war er mit der

Kontrolle des Bruthügels bis zur Erschöpfung beschäftigt. Das Futter der Talegallahühner bestand aus einem

Fasanenmischfutter und einem groben Insektenfutter. Alle zwei Tage bekamen die Tiere Obst, Karotten und ein

paar Mehlwürmer. Am 15. August wurde morgens um 7.00 Uhr ein Loch von mir kontrolliert, weil der Hahn sich

anders und vorsichtiger verhielt als sonst. Bei der Kontrolle war die Freude sehr groß, denn ich konnte zwei

Füße entdecken, die senkrecht nach oben gerichtet waren. Das Küken schlüpfte aber erst am nächsten Tag.

Die Küken verbleiben solange im Bruthügel, bis sie vollkommen abgetrocknet sind. Die Küken sind am ersten

Tag sofort flugfähig und vollkommen selbständig. Das zweite Küken schlüpfte am 30. August gegen 9.00 Uhr.

Die Brutzeit der Talegallahühner beträgt nach meinen Daten ca. 10 - 12 Wochen. Die Küken kamen nicht wie

gewohnt in eine Aufzuchtbox für Fasanen, sondern wurden in einer Voliere 1.50 x 1.50 x 1.80 m gehalten, in

der sie sich sehr wohl fühlten und abends immer aufbäumten. Dieses war auch der Grund für die größere

Voliere. Das Futter der Jungen bestand aus einem handelsüblichen Insektenfutter mit Quark gemischt,

geriebenen Äpfeln und Karotten, ein paar Mehlwürmern und alle zwei Tage ein Mineralstoffgemisch. Leider

konnte nur ein Tier erfolgreich aufgezogen werden. Weitere Junge schlüpften nicht, da durch einen Defekt an

der Fußbodenheizung die Temperatur für zwei Tage abfiel und so der Brutverlauf gestört war. Bei einer

späteren Kontrolle des Bruthügels wurden noch weitere fünf Eier gefunden, wobei noch zwei befruchtet und die

anderen unbefruchtet waren. Die Eier befanden sich alle in dem vom Hahn angelegten Halbmond in einer

Tiefe von ca. 50 - 60 cm. Die Farbe der Eier war weiß, jedoch etwas ins Bräunliche verfärbt, welches durch das

Liegen im Bruthügel bedingt ist. Die Größe der Eier betrug ca. 92 mm x 61 mm/ 90 mm x 60 mm.

 

Ich hoffe, dass ich die Brut der Talegallahühner 1988 mit mehr Jungtieren fortsetzen kann.

 

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